Genversuch in Australien abgebrochen

Genmanipulierte Erbsen verursachen Lungenkrankheit bei Feldmäusen - Rückschlüsse auf den Menschen möglich


(Quelle: POLITISCHE HINTERGRUNDINFORMATIONEN Nr. 35/36 vom 21.9.2006)



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B21f) Gentechnik

In Australien ist ein mehrjähriger Versuch mit gentechnisch veränderten Erbsen aus Sicherheitsbedenken abgebrochen worden. Die Erbsen hätten bei Feldmäusen eine Lungenkrankheit ausgelöst, berichtete der Sender ABC . Schuld an der beobachteten Immunreaktion der Nager ist nach den im "Journal of Agricultural and Food Chemistry" veröffentlichten Forschungsergebnissen wahrscheinlich ein verändertes Protein.
"Die Reaktion der Mäuse auf das Protein könnte etwas widerspiegeln, was auch bei Menschen geschehen würde", sagte der Vizechef des staatlichen australischen Forschungsinstituts CSIRO, Thomas Higgins. Die gentechnisch veränderte Erbsenpflanze ist nach CSIRO-Angaben resistent gegen den Befall durch den Gemeinen Erbsenkäfer (Bruchus pisorum), der Ernteausfälle von bis zu 30 Prozent verursachen kann. Die
Forscher hatten den Erbsen dafür ein Bohnen-Gen eingepflanzt, das ein Enzym (Alpha-Amylase) für die Verdauung von Stärke blockiert. Die Larven der Schädlinge können so die Stärke der Gen-Erbsen nicht verdauen und verhungern.
Die Forscher wunderten sich zunächst, warum gewöhnliche Bohnen bei den Mäusen nicht dieselbe Reaktion hervorrufen. Die Antwort liegt nach ihren Erkenntnissen in einer winzigen Veränderung durch den natürlichen Prozess der Glykoselierung. Dabei werden an das nach der Gen-Vorlage produzierte Protein bestimmte Zuckermoleküle angehängt. Selbst Greenpeace hat die gesundheitlichen Risiken von Gen-Food bisher eher unterschätzt, erklärt Then. Neueste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass es faktisch unmöglich ist, diese Risiken umfassend zu prüfen. Es ist mehr oder weniger Zufall, ob gesundheitliche Auswirkungen rechtzeitig entdeckt werden. Ein Zulassungsstopp für Gen-Saaten ist die einzig sinnvolle Konsequenz.


Test in Australien bis heute die Ausnahme


Die Ergebnisse einer internationalen Konferenz mit dem Titel Gen-Saaten - Das unterschätzte Risiko, die jetzt in Frankfurt am Main stattgefunden hat, stützen die Greenpeace-Forderungen. Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, der Schweiz und England stellten dort generelle Unwägbarkeiten im Umgang mit den Gen-Saaten fest und kritisierten die EU-Zulassungsverfahren als nicht ausreichend.
Professor Arpad Pusztai aus Ungarn, der bereits vor Jahren Fütterungsversuche mit den umstrittenen Gen-Erbsen durchgeführt hat, sagte in Frankfurt: Es ist wichtig, dass die Warnhinweise bei Gen-Pflanzen ernster genommen werden, besonders wenn die menschliche Gesundheit betroffen sein kann. Ein großes Problem ist, dass bisher keine anderen, langjährigen Studien wie in Australien durchgeführt wurden und dass keine
Zulassungsbehörde auf der Welt solche Tests verlangt.


Gesundheitsgefährdender Gen-Mais kurz vor Zulassung in EU


Für den europäischen Markt wurde bereits ein Gen-Mais als Futtermittel zugelassen, der im Tierversuch negative Auswirkungen bei Ratten gezeigt hat. Die Zulassung als menschliches Lebensmittel für den Gen- Mais der Firma Monsanto mit dem Kürzel MON863 steht unmittelbar bevor. Vor diesem Hintergrund fordert Greenpeace vom neuen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, in Brüssel ein deutliches Zeichen für mehr
Schutz von Mensch und Umwelt und gegen die weitere Vermarktung von Gen-Saaten zu setzen.