Bayerische Regierung muß
Rückzieher machen
Im Freilandversuch erwies sich,
was anzunehmen war: Genmanipulierte Pollen kontaminieren Pflanzen in weiter
Umgebung
Aus: PHI-Nachrichten 27-28 / 2006
B 21f) Gentechnik
Schlappe für die Genlobby - Offizieller Bericht über Probeanbau
von manipuliertem Mais belegt Gefahren
Genmanipulierter Mais kontaminiert gentechnikfreie Pflanzen weitaus stärker
und über wesentlich größere Distanzen als bislang behauptet.
Das geht aus einem Bericht über den sogenannten "Erprobungsanbau"
mit genmanipuliertem Bt-Mais in Bayern hervor. Während die im Freistaat
allein regierende CSU nur in Trippelschritten vom Genmaisanbau Abstand
nimmt, fordert das Umweltinstitut München das endgültige Aus
für transgene Pflanzen. Der Bericht, der vom bayrischen Landwirtschaftsminister
Josef Miller in Freising vorgestellt wurde, kommt zu eindeutigen Ergebnissen,
die die Behauptungen der Genmaislobby über die Unbedenklichkeit des
Anbaus transgener Pflanzen ins Reich der Fabel verweisen.
Festgestellt wurden unter anderem bis zu neun Prozent kontaminierte Pflanzen
in 20 Metern Entfernung. Beim Erntegut konnte ein Anteil von weniger als
0.9 Prozent nachweisbar manipulierter Pflanzen - das ist der Schwellenwert,
ab dem
es als nicht gentechnikfrei zu kennzeichnen ist - erst bei "konventionellem"
Mais erreicht werden, der in 75 Meter Abstand zum Gentechfeld gewachsen
war.
Der Bericht sollte bereits im Frühjahr veröffentlicht werden,
war aber auf Grund der brisanten Ergebnisse monatelang zurückgehalten
worden. Die bayrische Staatsregierung muß nun einräumen, daß
Kontamination über Pollenflug in einem viel weiteren Radius stattfindet,
als Gentechnikbefürworter in Industrie und Politik bislang zugeben
wollten. Selbst Minister Miller setzt sich nun für einen Mindestabstand
von 150 Metern zu gentechnikfreien Kulturen ein. Die derzeitigen manipulierten
Pflanzen bieten laut Miller auch keine Vorteile für die Bauern. Die
Staatsregierung rät derzeit allen Landwirten vom Anbau von Genmais
ab.
Andreas Bauer, Gentechnikreferent beim Umweltinstitut München, geht
das nicht weit genug: "Zu der Erkenntnis, daß Pollen weiter
fliegen als gedacht, hätte man auch kommen können, ohne die
Umwelt mit transgenem Material zu verschmutzen. Aber wenigstens gibt es
jetzt einen Beweis dafür, daß die angestrebte Koexistenz insbesondere
für unsere bäuerliche Landwirtschaft nicht möglich ist."
Die CSU müsse jetzt "ihren Eiertanz beenden und für alle
Zeiten aus der Genmanipulation aussteigen", forderte Bauer.
Bt-Mais enthält ein Giftgen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis.
Dieses Gift soll die Maispflanze vor dem Maiszünsler schützen,
einem Schadinsekt, das vor allem in Maismonokulturen auftritt.
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