Jostein Gaarders ("Sofies
Welt") Stellungnahme zu Israel
(Quelle: "Aftenposten" Oslo, 05.08.2006)
Jostein Gaarder, norwegischer Schriftsteller,
in der Osloer Tageszeitung "Aftenposten", 5.8.2006. Gaarders
populärphilosophischer Roman "Sofies Welt" wurde allein
in Deutschland in mehr als drei Millionen Exemplaren verkauft. Der 1952
geborene Bestseller-Autor ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit
dem Preis der norwegischen Literaturkritik, mit dem polnischen Janusz-Korczak-Preis,
mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, mit der "Buxtehuder Bulle"
und dem Österreichischen Jugendbuchpreis.
Zitat Gaarder:
"Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: Wir erkennen den
Staat Israel
nicht länger an... Wir glauben nicht an die Vorstellung von Gottes
auserwähltem
Volk. Wir lachen über die sonderbaren Ideen dieses Volkes, und wir
weinen
über seine Missetaten. Sich für Gottes auserwähltes Volk
zu halten, ist nicht nur
dumm und arrogant, es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir
nennen
es Rassismus...
Es gibt Grenzen für unsere Geduld, und es gibt Grenzen für unsere
Toleranz.
Wir glauben nicht an göttliche Verheißungen als Begründung
für Besatzung und
Apartheid. Wir haben das Mittelalter hinter uns gelassen. Wir lachen gequält
über
die, welche immer noch glauben, daß der Gott der Flora, der Fauna
und der
Milchstraße sich ein bestimmtes Volk als seine Lieblinge auserkoren
und es
ausgestattet hat mit sonderbaren Steintafeln, brennenden Büschen
und einer
"license to kill'.
Wir nennen Kindermörder Kindermörder und werden nie akzeptieren,
daß sie einen göttlichen oder historischen Auftrag hätten,
der ihre Schandtaten rechtfertigen würde... Der Staat Israel hat
mit seiner skrupellosen Kriegskunst und seinen widerwärtigen Waffen
seine eigene Legitimation massakriert. Er hat systematisch gegen das Völkerrecht,
gegen internationale Abmachungen und eine Unzahl von UN-Resolutionen verstoßen.
Er kann nicht länger erwarten, daß diese ihn beschützen.
Er hat seine Anerkennung durch die Welt per Flächenbombardement zerstört...
Wir akzeptieren nicht einen Staat, der sich auf antihumanistischen Prinzipien
und auf den Ruinen einer archaischen National- und Kriegsreligion gründet...
Wir akzeptieren nicht das alte Königreich Davids als Modell für
die Landkarte des Mittleren Ostens im 21. Jahrhundert... 2000 Jahre sind
vergangen, seit der jüdische Rabbi die alte Kriegsrhetorik abrüstete
und humanisierte. Bereits zu seinen Lebzeiten waren die ersten zionistischen
Terroristen aktiv. Seit 2000 Jahren pauken wir das humanistische Pensum,
aber Israel hört nicht...
Sollte einmal die ganze israelische Nation auf sich selbst zurückgeworfen
sein, sollten Teile der Bevölkerung aus den von ihr besetzten Gebieten
flüchten müssen in eine weitere Diaspora, dann werden wir sagen:
Mögen die, welche sie aufnehmen, behutsam und gnädig mit ihnen
sein. Friede und freies Geleit für die evakuierten Zivilisten, die
keinen Staat mehr haben, der sie beschützen könnte. Schießt
nicht auf die Flüchtlinge! Zielt nicht auf sie! Denn sie sind jetzt
so verletzlich wie eine Schnecke ohne Haus, verletzlich wie die langsamen
Karawanen palästinensischer und libanesischer Flüchtlinge, schutzlos
wie Frauen und Kinder und Alte in Qana, Gaza, Sabra und Schatila. Gebt
den israelischen Flüchtlingen Herberge, gebt ihnen Milch und Honig!
Laßt kein einziges israelisches Kind mit dem Leben bezahlen. Es
sind schon zu viele Kinder und Zivilisten ermordet worden."
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