Themenblatt Nr. 13:
Permakultur - die Rettung der Landwirtschaft
Sepp Holzers nachhaltige Naturpflege
"Die Natur ist perfekt, die Schöpfung vollkommen,
die Fehler machen nur wir Menschen"
Dieses Zitat stammt von Sepp Holzer, dem Vater der natürlichen Landbauweise
mit dem Namen "Permakultur" (www.krameterhof.at).
Wohl kaum ein Lebenswerk zeigt augenfälliger den Gegensatz zwischen
einem Wunderwirken der Natur in Zusammenarbeit mit verständigen Menschen
einerseits, und einer Bürokratie, die offenbar planmäßig
jede Verbindung zwischen Mensch und Leben, zwischen Bedürfnis und
gesunder Versorgung vernichtet, andererseits (vgl. unsere Themenblätter
Nr. 1, 4, 10, 11, 12).
Der Staat bzw. die EU subventionieren im Agrarbereich seit langem naturferne
Monokulturen, die Anwendung von Maschinen, Giften und Chemikalien mit
Summen in Abermillionenhöhe. Diese staatlich geförderte Produkterzeugung
laugt die Böden aus, vernichtet natürliches Leben im pflanzlichen
und tierischen Bereich, vergiftet die Nahrung und schwächt so die
Menschheit. Darüber hinaus zerstört solche Agrarpolitik die
Existenz von immer mehr Bauern, die sich aufgrund der vorgeschriebenen
Dumpingpreise zwangsläufig von der Landwirtschaft abwenden, weil
sie ihre Existenz nicht mehr gesichert sehen. - Dennoch will sich die
EU nicht sagen lassen, sie würde die ökologische Wirtschaftsweise
nicht fördern und hat entsprechende Regelungen verabschiedet. Doch:
Die Vorschriften für die Erlangung des EU-Öko-Labels für
Nahrungsmittel sind gegenüber den bekannten Labels wie z. B. "Bioland"
und "demeter" deutlich weniger streng und lassen noch genug
Spielraum für konventionelle Agrartechnik.
Es ist offensichtlich, daß staatliche Einrichtungen die Zerstörung
der natürlichen Grundlagen fördern. Daher braucht das Gefüge
Mensch-Natur neue Impulse, wie sie von Sepp Holzers naturverbundener Landwirtschaft
ausgehen, die ohne jeden chemischen Eingriff auskommt, die sich aus der
natürlichen Artenvielfalt heraus trägt und die den Weg "aus
der Einfalt zur Vielfalt" bereitet. Denn: Die Landwirtschaft ist
das Rückgrat der Völker!
Grundlagen der Permakultur
Bereits als kleiner Junge beobachtete Sepp Holzer das Zusammenwirken
der Naturvorgänge und nutzte die vielen Symbiosen, die das Leben
bietet. So bemerkte er beispielsweise, daß Erdbeeren, die in der
Nähe von Steinen wuchsen (Wärmespeicher), größer
und süßer wurden als andere. Durch aufmerksame Teilhabe an
seinem Lebensumfeld lernte er, daß es keine "Schädlinge"
oder "Unkräuter" gibt, die mit Chemie und Gewalt zu vernichten
sind, sondern daß sich schädliche Einflüsse nur dann einstellen,
wenn der Mensch die Natur aus ihrem selbstregulierenden Gleichgewicht
bringt.
Daher beruht die Permakultur auf dem Bestreben, die mannigfaltigen Elemente
der Natur in sinnvoller Lenkung harmonisch zusammenwirken zu lassen. Die
bewußte Pflanzung von sogenannten Unkräutern macht die Entwicklung
eines gesunden Bodenklimas und einer reichhaltigen Bodenfauna erst möglich.
Nutzpflanzen werden stets von Beikräutern umgeben, wobei auch Brennesseln
und Giftpflanzen wesentliche Rollen spielen.
Obstbäume werden je nach Sorte, Bodenverhältnissen und klimatischen
Gegebenheiten von Förderpflanzen wie Kartoffeln, Topinambur, Brennesseln,
Leguminosen, Heilkräutern oder Getreide begleitet. In diesem engen,
überreichlich wachsenden Gewebe erfüllt jede Pflanze eine bestimmte
Rolle, indem jede von der anderen profitiert. Holzer beobachtete auch
z. B., daß Kirschbäume in der Nähe von Erlen besonders
gut gedeihen. Um die Vögel von den Speisekirschen fernzuhalten, pflanzte
er Vogelkirschen, die der Größe des Vogelschnabels besser entsprechen,
und die also von den Vögeln bevorzugt werden. Auch hier zeigt sich
das Prinzip: nicht bekämpfen, sondern Alternativen anbauen, die allen
Naturelementen etwas bieten.
Aufgrund natürlich gewachsener, gesunder Bodenstruktur und bewußt
geschaffener Rückhaltezonen für Feuchtigkeit (Teiche, Tümpel,
Auffang- oder Humusbecken) braucht prinzipiell nicht gedüngt und
kaum gegossen werden. Durch Berücksichtigung der Sonneneinstrahlung
und Windrichtung beim Anlegen der Nutzflächen können auch in
scheinbar unfreundlichem Klima Südfrüchte und sehr empfindliche
Pflanzen wachsen. So erntet Sepp Holzer Äpfel, Birnen, Kirschen und
Kiwis auf einer Höhe von bis zu 1.500 m über dem Meer!
Für die Aussaat werden grundsätzlich nur eigene Saaten oder
etwa Urgetreide verwendet, also keine Hybridsorten. Es reifen auch hier
bis 1.500 m Höhe Gerste, Weizen, Hafer, Roggen, Lein und Sonnenblumen,
was viele hochbezahlte "Experten" für unmöglich hielten.
Die robusten Ursorten gedeihen auch auf extrem kargen oder sauren Böden,
die unsere überzüchteten Handelssorten niemals verkraften würden,
und zwar unter Beibehaltung des höchsten Wertes ihrer Inhaltsstoffe.
Hierdurch bekommt der Mensch etwas geliefert, was die Politik heute offenbar
mit allen Mitteln zu verhindern sucht: anstelle magenfüllenden Nahrungsmitteln
entstehen so gesunde, vor Naturkraft strotzende Lebens-Mittel.
Tierwirtschaft
Sämtlichen Tierarten, die in die Permakultur eingebunden sind, wird
möglichst viel natürlicher Lebensraum im Freien geboten. Durch
die Freilandhaltung entlasten die Tiere sogar den Bauern. So helfen zum
Beispiel Schweine, indem sie den Boden durchwühlen, auflockern und
so als "lebendige Pflüge" dienen. Sie fressen Schnecken,
nehmen sich des Fallobstes an, bevor sich Fäule oder Schimmel ausbreiten
kann, und sorgen dafür, daß sich die Vegetation vervielfältigt,
da sich durch das Aufbrechen der Grasnarbe viel mehr Pflanzen ansiedeln
können als in dicht bewachsenen Gebieten.
Die "Schrecken der Gärtner", wie z. B. Wühlmäuse
oder Schnecken bekämpft Sepp Holzer ebenfalls nicht mit roher Gewalt,
da die Natur in ihrer Liebe und Intelligenz nichts hervorbringt, was ihr
selbst ernsthaft schaden könnte. - Das Prinzip jeder "Schädlingsbekämpfung"
besteht zum einen darin, herauszufinden, worin ein Nutzen des betreffenden
Tieres liegen könnte. Im Falle der Wühlmäuse besteht dieser
in einer guten Bodenauflockerung. Sollte man die Tiere vergasen oder vergiften,
würde eine neue Population in den Weg die freien Gänge finden
- abgesehen davon, daß der Boden versauern und vermoosen würde.
Zum zweiten ist es wichtig, den Tieren genügend "Ablenkpflanzen"
anzubieten, die sie gerne fressen, wie z. B. Topinambur oder Schwarzwurzel.
Die Frage ist also nicht, was man gegen die Tiere tun kann, sondern
was man für sie tut, damit sie nicht schaden, sondern nutzen!
Ungiftige und höchst effektive Methoden zur Schnecken"bekämpfung"
beschreibt Holzer im Buch "Sepp Holzers Permakultur" (s. u.).
Die Natur als Freund
Zur Permakultur gehört auch die Freude am Experimentieren. Die Natur
hat ihre eigenen Regeln, von denen wir noch lange nicht alle kennen. Fehlschläge
gehören also zum Erfahrungsschatz dazu; ohne Fehler könnten
wir nicht nachhaltig lernen. "Die Natur ist eine Universität,
die uns alles bietet. Wir können in tausend Jahren nicht auslernen".
Ein wesentlicher Bestandteil der Permakultur ist auch die Bereitschaft
und die Übung, sich in die Natur hineinzufühlen. Theoretisches
Buchwissen kann hier sogar im Weg stehen. Holzer fordert daher dazu auf,
sich in einen Baum, in ein Tier, ja, in einen Wurm hineinzuversetzen.
"Wenn du der Wurm wärst, würdest du dich wohlfühlen?"
Sepp Holzer macht klar, daß man nichts besser machen kann als die
Natur. Man kann sie lediglich beobachten und auf diese Wesie er-leben,
damit sie und ihre Wirkungsweise für den Einzelnen fühl- und
nachvollziehbar wird. Die Bevormundung der Natur führt zwangsläufig
zu ihrem Untergang. Möglich ist lediglich eine Lenkung im Einklang
mit ihren eigenen Gesetzen. "Sei ein Freund der Natur, und sie wird
dein Freund sein".
Ebensowenig wie eine gesunde Bergwiese aus Englischem Rasen besteht,
kann eine Landwirtschaft, die sterile Monokultur betreibt, gesund sein.
Permakultur für jeden
Der Ansatz Sepp Holzers ist nicht nur für Bauernhöfe, sondern
für fast jede Form und Größe von Gärten oder Grundstücken
geeignet. Jeder Schrebergarten kann so zum Mosaikstein der Renaturierung
unserer Erde werden!
Kern der Permakultur ist ein heute fast verlorengegangener Respekt vor
den natürlichen Gegebenheiten unserer Mutter Erde, die Liebe zur
Schöpfung und zur Kreatur. Jeder, der sich darauf einläßt,
seine Beete nicht mehr klinisch rein mit Monokulturen vollzupflanzen,
hilft der Natur, sich selbst wiederzufinden. Jeder, der bereit ist, die
Kreisläufe und Verzahnungen der Natur über das Reißbrett
im eigenen Kopf zu stellen, leistet einen dringend benötigten Beitrag
dafür, daß sich der Planet vom menschlichen Mißbrauch
erholen kann.
Ein ganz besonderer Beitrag wäre es, wenn Sie Ihre Nachbarn anregen
könnten, denselben Weg zu gehen. Auf privater Ebene ist noch sehr
viel möglich, ohne daß die Behörden meinen, sich einschalten
zu müssen! Wir regen Sie daher an, zusammen mit gleichgesinnten Nachbarn
- sei es zu Hause, in der Schrebergartenkolonie oder anderswo - diese
Ideen zu diskutieren und praktisch anzuwenden. Je größer die
zusammenhängende Fläche ist, die nach den Erfordernissen der
Permakultur bebaut wird, desto besser und heilsamer ist es für die
lebendige Erde.
Bauen Sie, wo irgend möglich, ein "Schutzbiotop" für
die Natur. Nach mittlerweile jahrhundertelangem Mißbrauch sind wir
ihr schuldig, einmal wieder auf sie zu hören anstatt sie ständig
zu zwingen, unserem allzu begrenzten Willen zu folgen.
"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet
und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, daß man Geld
nicht essen kann."
Indianische Weisheit
Buchempfehlungen:
- "Sepp Holzer - der Agrar-Rebell", Leopold-Stocker-Verlag,
ISBN 3-7020-0970-1
- "Sepp Holzers Permakultur", Leopold-Stocker-Verlag, ISBN
3-7020-1037-8
- "Wo ein Wille, da ein Weg", Kneipp-Verlag, ISBN 3-7088-0368-X
Kopie und Weitergabe ausdrücklich genehmigt
und erwünscht!
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